Die Geschichte der Bayernpartei

1996: Geschichte des JBB

Der Jungbayernbund (JBB)
Die Jugendorganisation der Bayernpartei


Aus der Festschrift „50 Jahre Bayernpartei 1946 – 1996“
von Johann Kirchinger

-Vergangenheit und Zukunft-

Mitte 1948 hatten sich in einigen Bezirksverbänden der Bayernpartei spontan Jugendgruppen gebildet. Die Landesleitung der BP beschloss deshalb im August desselben Jahres, eine Jugendorganisation zu gründen. Diesem Zweck sollte eine im September 1948 einberufene Jugendtagung dienen. Es dauerte nach der Gründung allerdings noch zwei Jahre, bis sich der Bund organisatorisch so gut aufgebaut hatte, dass ab Mitte 1950 regelmäßige Delegiertenkonferenzen stattfinden konnten. 1950 wurde der erste ordentliche Landesvorstand gewählt sowie eine eigene Satzung ausgearbeitet und verabschiedet. Die Eintragung ins Vereinsregister der Landeshauptstadt München erfolgte am 26 Oktober 1950. Der Jung-Bayern-Bund (so die damalige Schreibweise) konstituierte sich also als „e.V.“. Mit Erlaubnis der Erziehungsberechtigten nahm er auch 14- bis 18jährige auf.

Als seine Aufgabe definierte der Jungbayernbund damals „das Bestreben, die gesamte bayerische Jugend in kameradschaftlicher Weise zur Pflege bayerischer Sitten und Gebräuche und bayerischer Heimatkunst zusammenzufassen und anzuhalten“. In der ersten Nummer des seit 1952 erscheinenden Mitteilungsblattes „Der Jungbayernbrief“ wurde gerade die Verantwortung der Jugend für die Gemeinschaft programmatisch herausgestrichen. Ziel des JBB damals wie heute noch ist der gesellschaftliche Anschluss und Zusammenschluss aller jungen bayerischen Menschen. Der Jungbayernbund wollte damals bereits, dass sich die bayerische Jugend in einer großen Organisation zusammenfindet, kennenlernt und sich gegenseitig in jeder Lebenslage hilft und unterstützt. Gemeinsame Theaterbesuche, Führungen, Wanderungen und in großem Maße auch Sportveranstaltungen gehörten damals zum Veranstaltungsprogramm des JBB. Da er nur geringe finanzielle Mittel hatte, war er auf die aktive Unterstützung durch Mitglieder und Funktionäre der Bayernpartei angewiesen. Besonders die Landesleitung der BP bemühte sich damals um den Aufbau des Jungbayernbundes. Etliche Gönner zeichnete der JBB mit der Funktion eines Kreispräsidenten oder eines Landesbeirates aus.

Die Arbeitsgemeinschaft zwischen Bayernpartei und Zentrum, genannt „Föderalistische Union“, führte im Juni 1952 zur Gründung einer „Jungen Föderalistischen Union“ aus Jungbayernbund und Windhorstbund, der Jugendorganisation des Zentrums. Otto Spachtholz, Landesbeirat des JBB, wurde von der Landesversammlung beauftragt, mit dem Windhorstbund Gespräche zu führen mit dem Ziel, eine gemeinsame, bundesweit tätige Jugendorganisation von Zentrum und Bayernpartei zu bilden. Unter dem Einfluss von Spachtholz hatte sich der JBB zu einer selbstbewussten und politisch aktiven Jugendorganisation entwickelt. Die Bayernpartei erfüllte weitgehend die Forderung des JBB nach Vertretung in den Parteigremien. Seit Januar 1953 saßen Delegierte des Jungbayernbundes in den Vorständen der Bezirks- und Kreisverbände, in den Ausschüssen und mit vier Delegierten im Landesausschuss. Lediglich in der Landesleitung war der Jungbayernbund noch nicht vertreten. Sitz und Stimme in diesem Gremium erhielt er aber schon 1954. Die Partei suchte den JBB über einen „Fachausschuss für Jugendfragen“ zu integrieren.

Ihre Bereitschaft zum politischen Einsatz bewiesen die Jungbayern als willkommene Wahlhelfer in der Bundestagswahl 1953. Mit dem „Junges Bayern“, einem neuen Mitteilungsblatt des JBB, wurde die politische Arbeit weiter gefördert. Vorschläge, Positionsbestimmungen und Kritik des JBB an der aktuellen Politik wurden damit einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Zur Eingliederung in die Partei ließ man eine „Jung-Bayern-Fahne“ anfertigen und von dem Schriftsteller Josef Maria Lutz einen „Jung-Bayern-Fahnenspruch“ dichten:

Bayernjugend, die Fahne
Halte mit starker Hand
Wie voreinst der Ahne
Dass sie freudig mahne
Über’m Bayernland.

Bayernjugend, die Fahne
Halte mit wachem Fleiß.
Deines Banners Bläue
Wecke und erneure
Tugend, klar und weiß!

Bayernjugend, nun trage
Zukunft in jeden Gau.
Schau, schaffe, wage,
und im Herzen trage
Liebe zu Weiß und Blau!

(Josef Maria Lutz)

In der Phase der Viererkoalition gewann der Jungbayernbund an politischem Profil und Gewicht. Die zügige Vergrößerung der Organisation – Anfang März 1956 konnte der Landesvorsitzende Rudolf Gütlein von 48 neuen Kreisverbänden und zahlreichen neuen Organisationen berichten – kann damit zusammenhängen, dass der JBB die Viererkoalition aktiv unterstützte.

Mit dem Austritt der Bayernpartei aus der Viererkoalition begann auch für den JBB eine schwierige Phase. Neben dem Rückgang der Mitgliederzahlen musste der JBB auch die Auflösung vieler Kreis- und Bezirksverbände hinnehmen. Erst ab 1973 begann sich der JBB politisch und organisatorisch wieder zu erholen.

-Gegenwart und Zukunft-

Der Jungbayernbund wandelte sich seit 1990 zu einer verantwortungsbewussten, sozial und ökologisch orientierten Jugendorganisation. Er will der bayerischen Jugend Zukunftsvisionen vermitteln und die Verantwortung der jungen Generation für Umwelt, Heimat und Gesellschaft bewusst werden lassen. Der JBB hat 1990 ein klares 10-Punkte-Programm erstellt. Darin werden Aussagen zum Umweltschutz, zum Europa der Regionen und zur Bürgerdemokratie festgeschrieben. 1994 verabschiedete die Landesversammlung des JBB ein zukunftsweisendes Aktionsprogramm, das von Hermann Stelzl und Jürgen Espertshuber erarbeitet worden ist. Das Programm steht unter dem Motto „Bayern – unsere Heimat – braucht Dich!“ Darin befasst sich der JBB mit Themen wie Föderalismus und Europa, Schüler und Studenten, Jugendarbeitslosigkeit, Bundeswehr und Bürgerdemokratie.

Seit 8. Juni 1996 wird der JBB von Kirchinger Johann als Landesvorsitzendem geführt. Die Mitgliederzahlen steigen bereits seit Ende 1995 verstärkt an. Mehrere Orts- und Bezirksverbände konnten wieder aktiviert werden. Unter der Aussage Jungbayernbund, sozial-ökologisch-demokratisch geht der JBB seinen Weg ins nächste Jahrtausend. Weitreichendes Ziel des JBB ist ein dezentraler Aufbau Europas, sparsamer Umgang mit Rohstoffen und Energie, mehr und bessere Ausbildungs- und Arbeitsplätze, besonders für Jugendliche, eine europäische Verteidigungsarmee und mehr Demokratie auf allen staatlichen Ebenen Bayerns.

Johann Kirchinger